Studie der Arbeitsgruppe "Aplastische Anämie" der
EBMT
Die Arbeitsgruppe
"Aplastische Anämie"
der European Bone and Marrow Transplantation Group (EBMT) führte
eine
Therapiestudie durch, welche eine Standardtherapie mit ATG, Ciclosporin
und
Cortison verglich mit einer Standardtherapie und zusätzlicher Gabe
des Faktors
G-CSF, welcher die Bildung der weißen Blutkörperchen
stimuliert.
Die Studie sollte
untersuchen, ob durch die Kombination von G-CSF mit
Standardimmunsuppression
die Ansprechrate verbessert, das Ansprechen beschleunigt und die
Häufigkeit
schwerer Infektionskomplikationen vermindert wird.
In die Studien
wurden
europaweit 192 Patienten mit neu diagnostizierter schwerer aplastischer
Anämie
aufgenommen, mehr als die Hälfte davon wurde in deutschen Zentren
behandelt. Im
Rahmen der Studie wurden nur solche Patienten behandelt, bei denen
keine
Indikation bzw. keine Möglichkeit für eine unmittelbare
Stammzelltransplantation
bestand. 95 Patienten erhielten die Standardimmunsuppression aus ATG,
Ciclosporin
und Cortison, 97 Patienten erhielten ATG, Ciclosporin, Cortison und den
Wachstumsfaktor G-CSF. Die Studie ist inzwischen
abgeschlossen, ausgewertet
und wird 2011 in der Fachzeitschrift "BLOOD" veröffentlicht.
Wesentliche Ergebnisse sind:
- Es bestand
kein
signifikanter Unterschied in der Ansprechrate auf die
Immunsuppression in den
Behandlungsgruppen mit und ohne G-CSF.
- Die beiden
Behandlungsgruppen unterschieden sich nicht in der
Überlebenswahrscheinlichkeit
sowie der Häufigkeit des Auftretens von Rückfällen der
Erkrankung.
- In der
Patientengruppe,
welche G-CSF erhielt, war während der Dauer der G-CSF-Gabe die
Zahl der
neutrophilen Granulozyten signifikant höher als bei der
Patientengruppe ohne
begleitende Gabe von G-CSF.
- Bei den
Patienten mit G-CSF-Begleitbehandlung
kam es insgesamt zu weniger Infektionen,
und die Zahl der
Behandlungstage im
Krankenhaus war geringer als bei den Patienten ohne
G-CSF-Begleitbehandlung.
- Innerhalb der
Behandlungsgruppe, welche G-CSF erhielt, hatten diejenigen
Patienten mit einem
Anstieg der neutrophilen Granulozyten auf mindestens 500
Zellen/µl nach 30
Tagen eine bessere Ansprechrate und eine höhere
Überlebenswahrscheinlichkeit.
Im Fazit ist
festzustellen,
dass die zusätzliche Gabe von G-CSF zur
Standardimmunsuppression die
Gesamtansprechrate und die Überlebenswahrscheinlichkeit von
Patienten mit
schwerer aplastischer Anämie nicht verbessert. Es gab lediglich
einen positiven
Effekt auf die Zahl der neutrophilen Granulozyten und – sehr
wahrscheinlich
damit zusammenhängend – eine Reduktion der Infektionen
und der
Tage mit
Krankenhausbehandlung im frühen Behandlungsverlauf.
Weiterhin könnte der
Anstieg der Granulozyten nach Stimulation mit G-CSF ein
früher Hinweis sein,
ob die Blutbildung im weiteren Behandlungsverlauf ansprechen wird und
sich auch
die anderen Blutbildwerte (Hämoglobinwert, Thrombozytenzahl)
bessern. Dies
soll in einer weiteren Studie untersucht werden.
Neutrophile Granulozyten:
Ein Typ weißer
Blutkörperchen, welcher insbesondere für die Abwehr von
Bakterien- und
Pilzinfektionen wichtig ist.