Zur
Therapie der
paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH) wurde der
monoklonale Antikörper
Eculizumab entwickelt. Dieser hemmt eine zentrale Komponente (C5) des
Komplementsystems.
Er unterdrückt damit die Bildung des sogenannten
Membran-Attackkomplexes,
welcher zu einer Zerstörung von PNH-Blutzellen führen kann.
Die Bildung dieses
Membran-Attackkomplexes und die daraus resultierende Schädigung
von
PNH-Blutzellen ist für viele klinische Symptome der PNH
verantwortlich.
In
klinischen Studien wurde
gezeigt, dass Eculizumab die Hämolyseaktivität bei PNH
deutlich reduziert. Mehr
als die Hälfte der vorher mit Erythrozytenkonzentraten
transfusionsbedürftigen
Patienten wurde unter Eculizumab-Therapie transfusionsunabhängig,
und im
Vergleich zu Placebo-behandelten Patienten kam es zu einem Anstieg der
Hämoglobinwerte. In den Therapiestudien wurden auch Merkmale
der
Lebensqualität im Behandlungsverlauf systematisch erfasst. Es
zeigte sich eine
deutliche Besserung der Lebensqualität. Weitere Analysen zeigten,
dass
Eculizumab auch die Thromboseneigung, welche bei der PNH erhöht
ist, deutlich
reduzieren kann. Auch positive Auswirkungen der Behandlung auf
weitere bei der
PNH häufig zu beobachtende Symptome und Komplikationen wurden
zwischenzeitlich
beschrieben: Reduktion der Atemnot, Besserung von Hochdruck im
Lungenkreislauf, positive Auswirkung auf die Nierenfunktion.
Eculizumab
wurde in klinischen Studien seit 2002 erprobt, seit 2007 ist es in
Deutschland zur Therapie der PNH zugelassen. Entsprechend gibt es eine
zunehmende Zahl von Patienten, welche mit dem monoklonalen
Antikörper Eculizumab bereits über mehrere Jahre behandelt
werden. Bisherige Auswertungen bei diesen Patienten zeigen, dass das
Medikament auch in der Langzeittherapie gut verträglich und
wirksam ist. Auswertungen, welche beim Kongress der American Society of
Hematology im Dezember 2010 vorgestellt wurden, zeigen auch, dass die
Überlebenswahrscheinlich von Eculizumab-behandelten PNH-Patienten
im Vergleich zur alters- und geschlechtsgleichen Kontrollgruppe aus der
Bevölkerung nicht verschieden war.
Unter
Eculizumab ist ein
wesentlicher Teil der Komplementkaskade blockiert. Diese ist ein
wichtiger
Teil des sogenannten unspezifischen Immunsystems, welches eine Rolle in
der
Abwehr von Infektionen spielt. Insbesondere besteht bei Patienten unter
Eculizumab-Behandlung ein erhöhtes Risiko für eine
Infektion mit
kapselbildenden Bakterien (Meningokokken). Daher ist es obligat, vor
Beginn
einer Eculizumab-Therapie eine Meningokokken-Impfung
durchzuführen, und auch
während der Therapie bei Symptomen, welche auf eine
Meningokokken-Infektion
hindeuten könnten (z. B. Fieber, schwere Allgemeinsymptome,
Kopfschmerzen),
sich unverzüglich beim Arzt für weitere Diagnostik und ggf.
antibiotische
Therapie vorzustellen.
Die zielgerichtete Therapie
mit Eculizumab bedarf einer sorgfältigen Indikationsstellung,
Therapiesteuerung
und –überwachung und sollte unter Einbeziehung von Zentren mit
Erfahrung in
Diagnostik und Therapie dieser seltenen Erkrankung erfolgen.